Fahrbare Dächer, eine „Halbe Scheune Längs“ und eine Welterbestätte als Baustelle sind u.a. am letzten Junisonntag zu besichtigen, wenn die Brandenburgische Architektenkammer zum bundesweiten Tag der Architektur einlädt. Bei den Führungen erleben Sie Gebäude, Innenräume und Außenanlagen mit allen Sinnen und hören dabei interessante Baugeschichten von Architektinnen und Architekten. Neben 40 aktuellen Bauten stehen auch einige Architekturbüros offen, so dass Sie dort ebenfalls hinter die Fassaden schauen können. Schauen Sie in unsere Brandenburg -Karte
Architektur ist immer ein Spiegel aktueller gesellschaftlicher Themen, und so lassen sich das wachsende Bewusstsein über die Endlichkeit der Ressourcen sowie engere ökonomische Spielräume auch an den neuesten Bauten ablesen. Achtung des Vorhandenen, die Devise Reparieren statt Entsorgen und die Beschränkung auf das Wesentliche verändern das Bauwesen. Bestehende Gebäudesubstanz wird als Wert erkannt, der sich weiterverwenden lässt. Architektinnen und Architektinnen entwickeln clevere Ideen, das Vorhandene aufzuwerten und zu verbessern. Die Reparatur findet nicht nur auf der Ebene einzelner Gebäude statt, auch Dörfer und Stadtquartiere lassen sich durch behutsame Eingriffe oder ortstypische Ergänzungen bereichern, nicht zuletzt um den Landschaftsverbrauch zu reduzieren.
So heilt besagte Halbe Scheune links eine Lücke am Dorfanger in Sonnewalde Ortsteil Goßmar, unverkennbar ein Neubau mit Blechdach und Lichtöffnungen aus Polycarbonatplatten, aber in Maßstab und Proportion eine angemessene Interpretation der benachbarten Bauernhäuser.
In der Potsdamer Lennéstraße wurden für eine Baugruppe vernachlässigte alte Wohngebäude instandgesetzt und um hofseitige Holzhäuser ergänzt, sodass ein attraktiver Gärtnerhof entstand. Ganz in der Nähe befindet sich mit den Römischen Bädern eine andere Kategorie von Altbau. Das im frühen 19. Jahrhundert errichtete Gebäudeensemble gehört zum Welterbe Park Sanssouci und wird derzeit denkmalgerecht instandgesetzt. Auf der Baustelle wird feinste Handwerkskunst zu sehen sein.
Auch das Kloster Zinna ist ein Baudenkmal, Abts- und Siechenhaus sind bedeutende Beispiele norddeutscher Backsteingotik. Die Ausstellungsräume des Museums wurden behutsam modernisiert und heutigen Anforderungen, wie die der Barrierefreiheit, angepasst.
Ein weiteres Museum ist in Forst mit dem Brandenburgischen Textilmuseum zu besichtigen. Der historische Industriebau, der es beherbergt, wurde aufgestockt und ergänzt, wobei die neuen Ziegelfassaden mit ihrer gewebeähnlichen Struktur das textile Erbe des Ortes aufgreifen.
Dass sich Bestehendes aus jüngerer Zeit ebenso für Erhalt und Neugestaltung eignet, zeigt das Grundschulzentrum „Am Brunschwigpark“ in Cottbus, wo eine Plattenbauschule gekonnt überformt und erweitert wurde. Hier profitieren nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch das umliegende Wohnviertel.
Aus der gleichen Epoche stammt das Bistro im Stahlbetonwerk Großthiemig. Nach der Umgestaltung einer ehemaligen Großküche soll sich das für alle offene Lokal als Geheimtipp etabliert haben. Auf demselben Gelände steht eine neue Produktionshalle für Stahlbetonfertigteile. Damit per Portalkran der gemischte Beton hinein- und die fertigen Teile herausgehoben werden können, wurde das Dach der Halle mit verfahrbaren Elementen gedeckt.
Die Übersicht aller beteiligten Projekte mit Fotos und Beschreibungen und finden Sie auf unserer Webseite unter https://www.ak-brandenburg.de/baukultur/tag-der-architektur/2026. Die Architektenkammer gibt wieder ein Faltblatt heraus, in dem alle Projekte präsentiert sind und das zum Download auf unserer Webseite zu Verfügung steht.
Wie im vergangenen Jahr wird es wieder eine Fahrradtour in Potsdam und auch in Cottbus geben. Alle Infos zu den Routen, den beteiligten Projekten und wo und wann es los geht finden Sie in Kürze auf unserer Webseite.
Lassen Sie sich am 28. Juni zeigen, wie Ihre Kolleginnen und Kollegen unsere gebaute Umwelt jeden Tag ein Stück besser machen und damit zur guten Baukultur in Brandenburg beitragen.